Ein Metallzaun am Rand eines Campingplatzes.
Dahinter Bäume und Stellplätze für Wohnwagen.
Ein Schild: Kein Durchgang. Und direkt darunter– nicht versteckt, nicht heimlich – eine Stufenleiter – begehbar von beiden Seiten. Offen. Als gehöre sie dahin.
Das hat mich nicht losgelassen. Mein Kopf beginnt zu arbeiten. Das kenne ich zur Genüge.
Klare Regeln. Eindeutige Grenzen. Und daneben die inoffiziellen Trampelpfade und Abkürzungen, die alle kennen. Der kurze Dienstweg. Die Ausnahme. Das, was offiziell nicht vorgesehen ist – und trotzdem funktioniert. Niklas Luhmann hat dafür einen Begriff geprägt: „Brauchbare Illegalität“. Keine Kritik. Eine Beobachtung.
Die Frage ist nicht: Wer hat die Leiter hingestellt? Die Frage ist: Welche Funktion hat das Schild? Und welche die Leiter? Und was brauchen die Menschen, die beides nutzen?
Vielleicht ist genau das die Lösung: Regel und Duldung. Gleichzeitig. Widersprüche nicht auflösen, sondern ihre Funktion verstehen und sie nutzen. Oder, wie der Organisationssoziologe Stefan Kühl sagt: Eine begrenzte Duldung von Abweichungen ist notwendig, um Regeln beibehalten zu können.
Welche Verbotsschilder kennst du aus Organisationen und welche Leitern stehen daneben?!